Persönliche und völlig subjektive Wiedergabe aus meiner Erinnerung...
Wenn ich mich richtig erinnere, war ich vor ca. fünf Jahren jobbedingt auf der Gamescom (sozialpädagogische Begleitung von Haus der Jugend Besuchern). Mein Eindruck damals: Einfach furchtbar!
Die Stände und Hallen der großen und bekannten Publisher (Nintendo, Microsoft, Ubisoft, EA, Sony, Blizzard/Activision, u.v.a.) waren proppevoll, endlos lange Schlangen, Wartezeiten von mindestens 3 und bis zu 6 Stunden, nur um den neuesten oder bekanntesten Titel spielen zu dürfen. An keinem dieser Stände habe ich länger als 10 Minuten gestanden. Es gab überall große Leinwände oder Flachbild-Monitore, auf denen man sich die Spiele anschauen konnte. Besonders lustig - im Sinne der USK - fand ich, dass bei Ständen (aufgemacht wie Zelte) und Publishern, die Programme ab 18 anboten zwar eine Einlass- und Alterskontrolle stattfand, aber auch dort gab es draußen vor dem Tore, ähm vor dem Zelt große Monitore, auf denen man sich die Spiele anschauen konnte ohne reingehen und kontrolliert werden zu müssen. Dass da teilweise richtig schöne Gemetzel und Blutorgien zu sehen waren hat komischerweise keinen interessiert. (Also Spiele ab 18 als Minderjähriger selber spielen war nicht erlaubt, aber zuschauen schon.)
An einigen Ständen wie z.B. bei Ubisoft (Just Dance) gab es weibliche und männliche Animateure, die nicht nur zum mitmachen animierten, sondern sich auch arme Opfer aus dem Publikum holten und auf die Bühne drängten. Nintendo war damals auf der Gamescom kaum vertreten, da die Wii-U einfach zu schlecht lief und die Switch sie noch nicht abgelöst hatte. EA machte mit Fifa nicht einfach nur ein Turnier vor Ort, sondern man konnte mit anderen Spielern weltweit spielen und es gab jede Menge Preise zu gewinnen. Neben den zahlreichen Unterhaltungsprogrammen gab es auch zahlreiche Kriegsspiele (z.B. World of Tanks), ob das in diesem Jahr dann auch so sein wird - und man dann gleich für die Schlachtfelder oder den Häuserkampf in der Ukraine trainieren darf? Eastern Front 2022 sozusagen...
An einem Stand gab es große "Metallsoldaten", wie man sie aus Iron Soldier und zahlreichen anderen Spielen und Animes kennt, zu sehen. Dort gab es auch Werbeplakate, auf denen eine Uhrzeit stand, wann diese Dinger in Betrieb genommen werden sollten. Also gut, bin ich dann zur besagten Uhrzeit vorbei gekommen und es stiegen tatsächlich zwei Männer in zwei dieser Kampfmaschinen ein. Doch wer dachte, die Dinger würden nun losmarschieren und durch die Halle laufen oder diverse Sachen vorführen, der wurde heftig enttäuscht. Es war nur eine Light- und Soundshow, denn mehr als viele Geräusche und viele bunte Lichter und etwas Kunstnebel gab es bei diesen Dingern nicht zu sehen. Ich bin mir sicher, das können die Amerikaner und Japaner nicht nur bei ihren Militärshows, sondern auch bei ihren Gameshows sehr viel besser.
An fast allen Ständen waren die männlichen Besucher klar in der Überzahl, auf dem Weg durch das Getümmel begegneten einem jedoch zahlreiche weibliche Cosplay-Fans, die meist nur sehr wenig und vor allem sehr knapp bekleidet waren und geradezu darauf drängten fotografiert zu werden. Auf einem Stockwerk bzw. in einer großen Halle konnte man dann auch zahlreiche Merchandise-Artikel und Kostüme erwerben. Wer unbedingt mal ein 2 Meter großes Alien oder einen 2m Predator aus Metall haben wollte, wurde dort auch fündig. Trotz des großen Andranges war es dort aber in Sachen Lautstärke relativ ruhig.
In der Retro-Ecke bzw. Retro-Halle war ich öfter, um nicht zu sagen die allermeiste Zeit. Denn dort herrschte himmlische Ruhe, man konnte sich vom extremen Lärm (ich bin schwerhörig und fand es trotzdem sehr laut!) der anderen Hallen erholen und ausruhen. Allerdings bedeutete himmlische Ruhe auch tote Hose, Ortsteil nix los. Die meisten Stände hatten kaum Besucher, geschweige denn interessierte Besucher. Einige Kids hingen an Automaten wie Donkey Kong, Pacman usw. ab, die Stände mit alten Spielekonsolen (z.B. NES mit riesengroßen Controllern) und alten Computern interessierten so gut wie niemanden. Okay, ich war unter der Woche da gewesen, von ca. 10 Uhr morgens bis 16 Uhr mittags - aber in der Retro-Halle war nie wirklich was los. Ab und zu verirrte sich mal ein Radio oder TV-Team in die Retro-Halle und machte Interviews, auch das Return Magazin hatte dort einen Stand. Ich hätte an jedem Stand und fast jedem Automaten solange Spiele spielen können, wie ich wollte, es war ja kaum einer da. Das ein Teil der Halle leer stand (ca. 25% völlig ungenutzt) und man in Ermangelung weiterer Aussteller sogar eine Kartbahn dort aufgebaut hatte (sonst hätte 50% der Halle leer gestanden), machte es auch nicht gerade besser.
So richtig leid taten mir die bekannten "Szenegrößen", die an einigen Commodoreständen herumsaßen (z.B. Jochen Hippel, an den Rest erinnere ich mich nicht mehr) und sich langweilten, wenn sie nicht ab und zu Interviews geben mussten. Schade, dass ich damals keine Kamera mitgenommen hatte, da ich davon ausging auf ein paar der Jugendlichen aufpassen zu müssen und zum Bilder machen keine Zeit hätte. Nur allzu gerne würde ich die damalige Trostlosigkeit der Retro-Halle hier mit Bildern dokumentieren. An einem Stand war auch ein einsamer, verloren-wirkender Atari 800XL zu sehen, Computer und TV waren ausgeschaltet und blieben es den ganzen Tag lang, da sich keiner dafür interessierte. Wozu der Stand dann diente weiß ich nicht.
Die anderen Hallen und Stände waren dagegen, wie gesagt, übervoll und saumäßig laut, für mich geradezu unerträglich. Warum ich mich für einen aktuellen Spieletitel 3-6 Stunden anstellen sollte, um ihn einige Zeit spielen zu dürfen konnte ich nicht nachvollziehen - aber Applejünger stehen ja auch stundenlang oder tagelang für die neuesten Apple-Produkte an. So muss das dann wohl auch bei den heutigen Teens, Twens und Thirties sein, ich war schon damals 40+ und somit zu alt für diesen furchtbar lauten Scheiß. War vorher nie bei der Gamescom, war nachher nie wieder bei der Gamescom und habe auch nicht vor dort wieder hinzufahren. Aber da es jobbedingt war, hat es mich wenigstens nichts gekostet - außer Zeit und Nerven.
P.S.: Es heißt übrigens: Der, die, das / Wer, wie, was ? Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm.
- Sesamstraße, Intro, deutsch. Und auf englisch: The, the, the / Who, how, what? 😉 http://www.youtube.com/watch?v=2wk2Q3emUq8